Asien > Amsterdam

18. Mai 2015 - 15:53

Mit 170 Objekten aus China, Japan, Indien und Jakarta erzählt das Rijksmuseum ab dem 17. Oktober die Geschichte der Seeherrschaft der jungen Republik der Sieben Vereinigten Niederlande im Goldenen Zeitalter. Lackarbeiten, Elfenbein, Silber, Seide, Ebenholz und Unmengen von Porzellan strömten nach Amsterdam, der damals pulsierenden „Hauptstadt“ der Welt, und bereicherten die Interieurs des immer wohlhabender werdenden holländischen Bürgertums.

Das Rijksmuseum zeigt asiatische Schätze im holländischen Interieur

In der Ausstellung 'Asien > Amsterdam – Luxus im Goldenen Zeitalter' sind auch zahlreiche Gemälde aus dem 17. Jahrhundert zu sehen: Stillleben und Portraits von Bürgern, die sich inmitten ihres neu erworbenen asiatischen Luxus abbilden ließen.

Hauchdünnes weißes Porzellan

kalf Die aus außergewöhnlichen, kostbaren Materialien gefertigten und mit faszinierenden exotischen Motiven verzierten asiatischen Schätze, die vorher noch niemand gesehen hatte, sorgten in Amsterdam für eine wahre Sensation. Sie färbten und bereicherten die Welt der Niederländer, sie reizten die Fantasie und die Neugierde. Hauchdünnes weißes Porzellan mit blauen Motiven aus China, Schachteln aus wunderschönem Lackwerk und Elfenbein aus Japan, mit Edelsteinen besetzter Schmuck aus Indien und Indonesien, Seidenstoffe aus Japan, bizarre Muschelschalen, schwarzes Ebenholz, Filigranes aus Indien… die Holländer kamen angesichts all dieser schönen Dinge nicht mehr aus dem Erstaunen heraus und fügten sie voller Begeisterung in ihre bis dahin viel zurückhaltenderen Einrichtungen ein. Das Besondere daran war außerdem die Tatsache, dass sich nicht nur die Allerreichsten solche Gegenstände erlauben konnten, auch ein großer Teil der wachsenden Mittelklasse. All dieser kostbare Luxus wurde vom „ersten multinationalen Konzern der Welt“, der Verenigde Oostindische Compagnie, nach Amsterdam gebracht, zu jener Zeit der „Hafen der Welt“.

Das berühmte ‚Delfts Blauw‘

kendi Kendi, anonymous, 1580 - 1620Das blau-weiße Porzellan aus China erfreute sich ganz besonderer Beliebtheit. Es war sehr viel dünner, glatter und leichter als das Steingut, das bis dahin in Holland produziert worden war. Sehr schnell wurde die Keramikproduktion in Holland in der Stadt Delft verfeinert, und es entstand das berühmte „Delfts Blauw“, das demnach chinesischen Ursprung besitzt. Ab etwa 1660 gesellte sich das gefärbte japanische Porzellan hinzu, das VOC-Beamte bei ihrer Rückkehr aus dem Fernen Osten mitgebracht hatten. Wieder sorgte dieses Porzellan für eine Sensation, zwanzig Jahre später war es insbesondere das exklusive und demnach sehr teure Kakiemon-Porzellan, das bei der holländischen Elite ganz hoch im Kurs stand. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Beispiele von Schüsseln, Schalen, Tassen und Kannen aus Porzellan, wobei eine Servierkanne mit goldenem Deckel etwa aus 1640 mit dem Wappen der stolzen Eigentümerin Erita de Blocq den Höhepunkt darstellt.

Lackwerk in allerhöchster Qualität

Mit der gleichen Faszination nahmen die Holländer japanisches Lackwerk auf, das aufgrund des komplexen und zeitraubenden Fertigungsverfahrens seltener und demnach kostbarer war. Für ein Schränkchen aus Lackwerk musste man im 17. Jahrhundert etwa 180 Gulden zahlen; zum Vergleich: ein gut situierter VOC-Beamter verdiente monatlich etwa 54 Gulden. Asien > Amsterdam zeigt eine Gruppe von Lackwerk in allerhöchster Qualität, darunter zwei sehr große Lackkisten. Eine davon konnte das Rijksmuseum vor zwei Jahren erwerben; sie ist sehr üppig mit eingelegtem Gold, Silber, Perlmutt und sogar Kristall dekoriert. Bei der anderen Kiste handelt es sich um eine Sonderanfertigung für die Frau des Generalgouverneurs Van Diemen, die auch ihren Namen trägt. Solche außergewöhnlich seltenen Objekte gelangten nur deshalb in holländische Hand, weil die Holländer in Japan eine solche Vertrauensposition innehatten. Niemals zuvor war in den Niederlanden eine solche Vielfalt an Lackwerk in dieser Qualität zu sehen.

Kostbare Möbel

lak Cabinet on stand, 17th century. Peabody Essex Museum, Salem, USAIn asiatischen Einrichtungen gab es ursprünglich nur wenig Möbel, und die Möbelstücke, die VOC-Beamte dorthin mitnahmen, waren nicht gegen das Tropenklima beständig. Daher ließen die Holländer Möbel aus lokalen Holzsorten anfertigen. Den asiatischen Möbelmachern gab man jedoch westliche Möbelmuster vor, was dazu führte, dass holländische Kabinette in einer Kombination aus östlichen und westlichen Materialien und Motiven angefertigt wurden. Manchmal waren diese mit Elfenbein eingelegt, wie bei dieser äußerst seltenen Wiege, die mit hinduistischen Darstellungen verziert ist. Elfenbein wurde auch in anderen Gegenständen verwendet, beispielsweise kleinen Kisten aus Ceylon, von denen eine mit einer Darstellung von Adam und Eva versehen ist: eine Auftragsarbeit eines VOC-Beamten, der dort lebte.

Die Formen asiatischer Möbel waren nicht immer für die holländischen Einrichtungen geeignet und wurden daher für die Nutzung in der Heimat angepasst. Tiefe Lackkabinette wurden auf einen Fuß montiert, manchmal sogar von den holländischen Möbelmachern zersägt und in einem neuen Kabinett zusammengefügt. Das holländische Interieur änderte sich auch unter dem Einfluss des asiatischen Luxus. So präsentierte man sein Porzellan auf speziell dafür geformten Brettern und Konsolen. Importierte Seide und Baumwolle brachten sehr viel mehr Farbe und Abwechslung in die Gestaltung von Bettwäsche, Gardinen und Wandbespannungen.

Meister der Abbildung

Auch Diamanten, Edelsteine, Filigranwerk, Perlmutt, Silber, Seide, Chintz und Fächer, aber auch Pfeffer, Tee sowie exotische Tiere wie Papageien und Affen gelangten auf dem Seewege nach Amsterdam. Selbstverständlich wollten sich die holländischen Bürger mit all diesem neuen Luxus verewigen. Ab Beginn des 17. Jahrhunderts fügten daher holländische Künstler diese Objekte in ihre Gemälde ein. Clara Peeters, Floris van Dyck, Pieter Claesz, Willem Claesz. Heda und Willem Kalf waren regelrechte Meister der Abbildung von glänzenden Porzellantexturen. Ein Mann, der wirklich modisch sein wollte, ließ sich mit einem seidenen „japanischen Rock“, einer langen, großzügig geschnittenen Jacke aus Seide porträtieren, wie der Amsterdamer Apotheker Johannes Hudde in 1686, dargestellt von Michiel van Musscher. Wer darüber hinaus auch noch chinesischen Tee aus einer chinesischen Teekanne in chinesische Tässchen einschenken konnte, serviert auf einem japanischen Lacktisch, hatte Asien wirklich in Amsterdam hoffähig gemacht.

Asien > Amsterdam
Luxus im Goldenen Zeitalter
17. Oktober 2015-17. Januar 2016

Die Ausstellung wird unterstützt vom Mondriaan Fonds, ING und vom Rijksclub

Downloads

Willem Kalf, Still life with a Chinese bowl, a nautilus cup and fruit, 1662
Photo Erik Smits/Monique Bröring
The Castle of Batavia, Andries Beeckman, 1661
Cradle, Anonymous, c. 1650 - c. 1700
Chest, attributed to Koami-werkplaats, c. 1635 - c. 1645
Ronde schotel van blauw beschilderde majolica, anonymous, c. 1630 - ca. 1650
Sjah Jahan en zijn zoontje, Rembrandt Harmensz. van Rijn, anoniem, 1656 - 1658
Kist, beschilderd met bladranken, bloemen, vogels en een wapenschild met het monogram VM, attributed to Willem Kick, 1618
Kendi, anonymous, 1580 - 1620
Bow brooch, Anonymous, c. 1650 - c. 1675
Still Life with a Turkey Pie, Pieter Claesz., 1627
Bed cover, early 18th century. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Japanese artist, Plate with Willem van Outhoorn arms. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Chinese artist, sweetmeat set, c. 1690. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Ewer, 1580-1620. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Box, made c. 1640. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Box, made c. 1640. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Cabinet on stand, 17th century. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Vest, 18th century. Peabody Essex Museum, Salem, USA
Attributed to Cornelis Bellekin, Oyster shell with the liberation of Andromeda, ca. 1660-1700 (mother of pearl) Collection Rijksmuseum
Chest Van der Lijn. c. 1635-1645, Japan. The State Historical Museum, Moscow
Portrait of a Family Playing Music, 1663. Pieter de Hooch. Cleveland Museum of Art, gift from the Hanna Fund
Panels for porcelains display, c. 1700-1720, Gemeentemuseum, The Hague
Still life with Ewer and Basin, fruit, Nautilus Cup and other object, Willem Kalf, c. 1600. Museum Thyssen, Madrid
Panel with floral still life, Dirck van Rijswijck, 1654. Wood inlaid with mother of pearl. Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Cabinet (with an elephant hunt and the island of Matara), c. 1660-1670. Wood, tortoiseshell, overlaid with carved ivory. The Ashmolean Museum, Oxford. Purchased with the assistance of the Friends of the Ashmolean Museum
Jan van der Heyden, Room Corner with Rarities, 1712. Szépmûvészeti Múzeum Budapest Credit line: Purchased, Esterházy Collection, 1871 29 1/2 x 25 in. (75 x 63.5 cm)
Hendrik Cornelisz Vroom, The Return of the Fleet, 1599
Joan Nieuhoff, Delftware plaque with chinoiserie-images, ca. 1670-1690
Spice box in the shape of the ship Mauritius, Anonymous, c. 1600
Plate with the arms of Frederick I, Elector of Brandenburg and King of Prussia, De Grieksche A, weduwe Pieter Adriaensz. Kocx-Van der Heul, c. 1702 - c. 1722
Bloempiramide van Delfts aardewerk, Anonymous, c. 1690 - c. 1720
Portrait of Johannes Hudde (1628-1704), burgomaster of Amsterdam, Michiel van Musscher, 1686
Charger with VOC monogram (Dutch East India Company), ca. 1630 Peabody Essex Museum, USA
Ewer and basin, Lacquer, wood, gold, ca. 1700 Peabody Essex Museum, USA

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